Zusatzveranstaltung: Erinnerung an Mehmet Turgut in Rostock – Initiative „Mord verjährt nicht!“ und Mehmet-Turgut-Haus

 Initiative „Mord verjährt nicht!“

Die Initiative „Mord verjährt nicht!“ entstand im November 2011 als Reaktion auf dass Auffliegen der rechtsextreme Terrorgruppe „NSU“. Bereits zu diesem Zeitpunkt organisierten Aktivist_innen der Gruppe eine Gedenkveranstaltung zum Thema des Mordes an Mehmet Turgut.

Am 25.02.2012 veranstaltete die Initiative eine Gedenkveranstaltung am Tatort des Mordes. Die Gedenkveranstaltung rief ein breites öffentliches Interesse hervor, nachdem sie von Neonazis gewaltsam angegriffen wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren die Aktivist_innen noch nicht unter dem Namen „Mord verjährt nicht!“ organisiert.

Die Firmierung unter dem Namen „Mord verjährt nicht!“ erfolgte im Herbst 2012. Der thematische Schwerpunkt war damals, durch politischen Druck einen Untersuchungsausschuss vor dem Landtag Mecklenburg-Vorpommerns zu erwirken. Insbesondere die Vertreter_innen der Oppositionsparteien (Grüne und Linke) wurden dazu kontaktiert. Der Untersuchungsausschuss scheiterte jedoch im Winter 2012/2013 an einem Rückzug der Grünen aus der Debatte.

Fortan konzentrierte sich die Initiative „Mord verjährt nicht!“ schwerpunktmäßig auf ein lokales Gedenken in Rostock. So organisiert sie seit 2013 jeden 25. Februar das Gedenken an den Mord an Mehmet Turgut.

Aktuell liegt der Schwerpunkt auf einer Umbenennung des Neu-Dierkower-Wegs in Mehmet-Turgut-Straße. Zuletzt scheiterte die Umbenennung an einer Gegenstimme aus dem Bürgerschaftsrat des Stadtteils Dierkow, die Forderung wird aber nach wie vor verfolgt.

Auch findet nach wie vor eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gedenkort, besonders der dort aufgestellten Gedenktafeln statt, da sie von der Initiative „Mord verjährt nicht!“ inhaltlich nicht für ausreichend gehalten werden. So fehlt beispielsweise eine gemeinsame Erklärung der Oberbürgermeister der Stadt Rostock gegen Fremdenhass und Gewalt auf diesen Tafeln.

Mehmet-Turgut-Haus

Der Stadt Rostock eilt bis heute bundesweit ein Ruf voraus, der auf zwei schrecklichen, rassistisch motivierten Ereignissen beruht: dem brennenden Sonnenblumenhaus 1992 und der Ermordung von Mehmet Turgut durch die rechtsextreme Terrorgruppe „NSU“ im Jahre 2004. Dieser Mord fand im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel in unmittelbarer Nähe eines von der Stadt betriebenen Stadtteilbegegnungszentrums (SBZ) statt.

Die Hansestadt Rostock betreibt in den Stadtteilen Toitenwinkel und Dierkow zwei Stadtteilbegegnungszentren (SBZ), die in ehemaligen DDR-Kindergartenbauten untergebracht sind. Rostock baut derzeit zwei neue Gebäude für die SBZs, die 2015 fertiggestellt werden sollen. Die alten Gebäude mit jeweils 2.600m² stehen nun für Diskussionen über weitere Verwendungen zur Verfügung.

Wir möchten dazu beitragen, den Ruf Rostocks insgesamt zu verbessern, indem wir in Rostock Nordost einen Gegenentwurf zu Fremdenhass und Gewalt ins Leben rufen. Das Haus nach Mehmet Turgut zu benennen, ist für uns ein Zeichen des Gedenkens an den rassistischen Mord in Rostock Nordost.

Mit unserem Projekt – dem Mehmet-Turgut-Haus – möchten wir vor Ort ein soziales und integratives Hausprojekt verwirklichen, in dem Toleranz, Offenheit und Miteinander als Grundwerte vorherrschen und gelebt werden. Wir setzen uns für die Freiheit und Gleichheit aller Menschen und ein solidarisches, demokratisches Miteinander ein. Wir möchten Raum erhalten, in dem Ausgrenzung und Diskriminierung keinen Platz haben. Das Mehmet-Turgut-Haus wird vom Trägerverein „Soziales Rostock e.V.“ betrieben.

Ort und Zeit: Samstag, 12.09, 14.00 Uhr, Conne Island (Backstage) (Koburger Str. 3, 04277 Leipzig)

Weitere Infos:

Programmübersicht Gedenkkongress

Foto: kombinat-fortschritt.com