Neue im Programm am Samstag: „Wenn der so bekloppt ist und durch die Scheibe läuft…“ – Film-Kunstprojekt zu Guben 15 Jahre nach der tödlichen Hetzjagd auf Farid Guendoul

Guben-Hochhaus_copyright_Christian_HerrnbeckIn der Nacht vom 12. zum 13. Februar 1999 verblutete der algerische Asylbewerber Farid Guendoul im Hauseingang der Hugo-Jentsch-Straße 14 in der brandenburgischen Kleinstadt Guben, nachdem er und seine beiden Begleiter von einer Gruppe rechter Jugendlicher gejagt worden waren. Die Täter waren in dieser Nacht unterwegs auf der Suche nach Menschen, an denen sie ihren rassistischen Hass auslassen konnten. Sie bemächtigten sich über Stunden des Raumes der Stadt. Zu keinem Zeitpunkt trafen die Täter dabei auf jemanden, der sie aufhielt.

Farid Guendoul ist eines von 184 Todesopfern rechter Gewalt seit der deutschen Wiedervereinigung. Im Vergleich zu den meisten von ihnen erhielten sein Tod sowie das sich anschließende, mehr als 18 Monate dauernde Gerichtsverfahren eine hohe mediale Aufmerksamkeit.

Wer heute in Guben nach Zeichen einer Erinnerung sucht, wird viele Leerstellen finden und ist mit Ablehnung und Unverständnis konfrontiert: das Wohnhaus in der Hugo-Jentsch-Straße wurde abgerissen, Menschen suchen nach wie vor die Schuld bei Farid Guendoul und sehen sich in erster Linie als Opfer einer überregionalen Berichterstattung, politische Stellen verweigern immer noch eine Auseinandersetzung mit der Tat. Nur ein kleiner, unscheinbarer und häufig verwahrloster Gedenkstein auf einer Wiese erinnert an Farid Guendoul.

Der Film erzählt die Ereignisse dieser Februarnacht 1999 vor der Abbildung damaliger Ereignisorte 15 Jahre nach der Tat. Die Diskrepanz zwischen dem Ereignis und seiner Nicht-Ablesbarkeit im Raum ist dabei nicht zu überbrücken. Sie ist Teil der Erinnerung und Anlass der Annäherung.

Das Kunstprojekt entstand als eine Erinnerungsinstallation zum 15. Todestag Farid Guendouls, und schloss gleichzeitig das Projekt RE:GUBEN ab, das sich ein Jahr lang Fragen nach einem Umgang mit dem Gedenken an die Todesopfer rechter Gewalt und der Erinnerung an Farid Guendoul in Guben gewidmet hatte.

Sehr lesenswert ist der Begleittext zur Veranstaltung von Annika Wienert „Überlegungen zum Verhältnis von Bild und Gedenken“.

Ort und Zeit: Samstag, 12.09., 15.15 Uhr. Fischladen (Wolfgang-Heinze-Straße 22, 04277 Leipzig)

Weitere Infos:

Programmübersicht Gedenkkongress

Website von RE:GUBEN

Website zum Film

Foto: Christian Herrnbeck